Verlag Traugott Bautz |
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EMSER, Hieronymus, Humanist, kath. Kontroverstheologe, * 26.3. 1478 in Weidenstetten bei Ulm, † 8.11. 1527 in Dresden. - E. studierte seit 1493 in Tübingen und seit 1497 in Basel und promovierte 1499 zum magister artium. Vor 1502 empfing er die Priesterweihe und begleitete 1502/03 als Sekretär und Kaplan den Kardinallegaten Raimund Peraudi, der auf seiner Rundreise durch das deutsche Land den Jubelablaß verkündigte und zum Krieg gegen die Türken aufrief. 1504 hielt E. an der Universität Erfurt humanistische Vorlesungen, die auch Martin Luther hörte. Anfang 1505 promovierte er in Leipzig zum Bakkalaureus der Theologie, später auch zum Lizentiaten der Rechte. E. wurde 1509 in Dresden Sekretär und Kaplan des Herzogs Georg von Sachsen und bemühte sich in seinem Auftrag eifrig um die Heiligsprechung des Bischofs Benno von Meißen: er reiste in dieser Angelegenheit nach Rom und veröffentlichte 1512 seine legendenhafte Vita Bennonis. E. ist der unermüdlichsie unter den älteren literarischen Geguern der Reformation. Mit seinem Schreiben an den Verweser des Prager Erzbistums nach der Leipziger Disputation Luthers mit Johann Eck (1519) begann der literarische Streit. In leidenschaftlichen und groben Schriften bekämpften sich der "Bock zu Leipzig" (Anspielung auf E.s Familienwappen) und der "Stier zu Wittenberg". Als Luther es 1522 aufgab, mit E. weiter zu streiten, setzte dieser den Kampf unentwegt fort: er veröffentlichte Gegenschriften gegen neue Schriften Luthers, übersetzte Schriften anderer gegen Luther oder gab solche neu heraus, polemisierte gegen Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, und Huldrych Zwingli. Bekannt ist E. durch seine Übersetzung des Neuen Testaments. Herzog Georg ließ Luthers Neues Testament in seinem Land einziehen, und E. verteidigte diese Maßnahme in einer scharfen Kritik an der Übersetzung Luthers, auch an seinen Vorreden und Glossen: er versuchte, Luther "1400 ketzerische Irrtümer und Lügen" nachzuweisen. Im Auftrag des Herzogs ging E. nun daran, durch seine Übersetzung Luthers Neues Testament zu verdrängen: er revidierte Luthers Übersetzung nach der Vulgata, "dem glaubwürdigen Text der christlichen Kirche", und benutzte dazu die mittelalterlichen deutschen Übersetzungen der Bibel. E.s Neues Testament erschien 1527 mit einem Vorwort des Herzogs, auch mit Vorreden und Glossen und Bildern zur Apokalypse von Lukas Cranach. Es fand weiteste Verbreitung im katholischen Volk. E.s Nachfolger als Hofkaplan und Rat des Herzogs Georg von Sachsen wurde Johannes Cochläus, einer der schärfsten Gegner Luthers.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1996
Geoffrey L. Dipple, Luther, E. and the development of Reformation anticlericalism, in: ARG 87.1996, S. 38-56; -
1997
Benedikt Peter, Der Streit um d. kirchl. Amt. Die theol. Positionen der Gegner Martins Luthers. Mainz 1997; -
2009
Katharina Tummuseit, Gesamtsatzstrukturen, ihre Aufbauprinzipien u. Textfunktionen in d. Offenbarung d. Johannes von anno 1522 bis anno 1545 in d. Übersetzungen von Luther, Emser, Zwingli, Dietenberger u. Eck. Berlin 2009.
Letzte Änderung: 09.04.2011