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Band XIV. (1998) Spalten 1068-1070 Autor: Claudia von Collani

GRIMALDI, Claudio Filippo, SJ (seit 13. Januar 1658), chin. Min Mingwo, Dexian, Chinamissionar, Astronom, Direktor des Astronomischen Amtes in Peking, Ingenieur und Konstrukteur, * 27. September 1638 in Coni/Piemont, + 8. oder 9. November 1712 in Peking. Über G.s junge Jahre ist nur bekannt, daß er Metaphysik und Theologie studierte. Er reiste am 15. April 1666 nach China ab und kam 1669 in Canton an. Dort waren zu dieser Zeit fast alle Chinamissionare interniert, da in Peking auf Veranlassung von Yang Guangxian (1597-1669) über Johann Adam Schall von Bell (1592-1666) und die europäische Astronomie Gericht gehalten wurde. Schall wurde zum Tode verurteilt, während die übrigen Jesuiten (außer Ferdinand Verbiest, 1623-1688), Franziskaner und Dominikaner nach Canton verbannt wurden, wo sie den erzwungenen Aufenthalt im Jesuitenhaus u.a. zur Diskussion über die chinesischen Riten und verschiedene Fragen der Missionspraxis nutzten. Allerdings erreichten sie meist keine Einigkeit. Gerade als G. in Canton ankam, war der Dominikaner Domingo Navarrete (1618-1689) geflüchtet. Um die Flucht geheimzuhalten, nahm Grimaldi dessen Platz ein und dessen Namen an, der ihm bis zu seinem Tode blieb. Nachdem die Unschuld Schalls erwiesen und die europäische Astronomie wieder zu Ehren gekommen war, wurde G. 1671 nach Peking berufen. Er baute für den Kangxi Kaiser einen kleinen, dampfbetriebenen Wagen und begleitete ihn 1683 und 1685 auf seinen Reisen in die Tartarei. Nach kurzem Aufenthalt in Canton und Macao 1685 kehrte G. nach Peking zurück. Im November 1686 wurde er zum Prokurator der Jesuitenmission ernannt und reiste zurück nach Europa. Vergebens versuchte er, einen Landweg über Moskau nach China zu erkunden, denn der Zar verweigerte die Durchreise. So mußte G. seinen Weg über Wien, Marseille, Smyrna, Persien nehmen. Im Mai 1693 erreichte er Goa und war im August 1694 wieder in Peking. In seiner Abwesenheit hatte ihn der Kaiser 1688 zum Direktor des Mathematischen Amtes und zum Mandarin ernannt. 1695 bis 1698 war er Vize-Provinzial der Jesuiten von China, 1696 wurde er als Bischof von Peking vorgeschlagen, jedoch von Portugal abgelehnt. Im Jahre 1700 wurde er Rektor des Jesuitenkollegs in Peking. 1703 bis Mai 1706 war er Visitator der Jesuiten im Fernen Osten. Der päpstliche Legat Charles-Thomas Maillard de Tournon (1668-1710) jedoch enthob ihn seines Amtes, da er verantwortlich für Geldgeschäfte der Jesuiten in Peking gezeichnet hatte. Der portugiesische König Joâo V schlug ihn 1707 als Weihbischof von Peking vor, doch Clemens XI. lehnte die Berufung ab. - In Rom hatte G. den an China interessierten und wissensdurstigen Gottfried Wilhelm Leibniz kennengelernt, der ihm alle möglichen Fragen über China stellte. Aus dieser Begegnung entwickelte Leibniz nicht nur seine Korrespondenz mit Grimaldi, sondern auch mit anderen, vor allem französischen, Jesuiten in China.

Werke: Fangxing tujie (Erläuterung der Himmelssphäre), 1711; Unterredung mit Leibniz, Sommer 1689, in: Rita Widmaier (ed.), Leibniz korrespondiert mit China. Der Briefwechsel mit den Jesuitenmissionaren (1689-1714), 1990, 7-10; Brief an Leibniz, Goa, 6. Dezember 1693, in: (Leibniz), Novissima Sinica, 1697, 91, sowie in Widmaier, 21-22; Brief, Peking, September 1703, in: Welt-Bott, 1726, n. 87; Brief, Peking, 18. Oktober 1705, in: Claudia von Collani, C.F. G. S.J. zur Ankunft des päpstlichen Legaten Charles-Thomas Maillard de Tournon in China, in: Monumenta Serica 42, 1994, 337-359 (Lat.-Deutsch).

Lit.: Francis A. Rouleau, Maillard de Tournon, Papal Legate at the Court of Peking. The First Imperial Audience (31 December 1705), in: AHSJ 31, 1962, 264-323; - Georg (sic !) Wilhelm Leibniz, Das Neueste von China (1697). Novissima Sinica, Hrsg., übers. und erläutert von Nesselrath u. Reinbothe, 1979, 83-90 (Brief Leibnizens an G. in dt. Übersetzung); - Rita Widmaier (ed.), Leibniz korrespondiert mit China. Der Briefwechsel mit den Jesuitenmissionaren (1689-1714), 1990, 1-10, 12-20, 33-45; - Claudia von Collani, C.F.G. S.J. zur Ankunft des päpstlichen Legaten Charles-Thomas Maillard de Tournon in China, in: Monumenta Serica 42, 1994, 329-359; - dies., Kilian Stumpf SJ zur Lage der Chinamission im Jahre 1708, in: NZM 51, 1995, 201; - dies., Artus de Lionne et la Chine, in: Actes du VIIe Colloque international de Sinologie, Chantilly, 1995, 45-79; - dies., Mission and Money. Thomas and Tournon, (erscheint); - Sommervogel III, 1384-1838; - BiblMiss V, 1929, 924; - Louis Pfister, Notices biographiques et bibliographiques sur les Jésuites de l'ancienne Mission de Chine de 1552 à 1773, 1932-34, 372-376; - Joseph Dehergne, Répertoire des Jésuites de Chine de 1552 à 1800, 1973, Nr. 391.

Claudia von Collani

Letzte Änderung: 24.11.1998