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Verlag Traugott Bautz
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GALILEI, Galileo. Galileo Galilei wurde am 15. Februar 1564 in Pisa geboren und vier Tage danach im Dom zu Pisa getauft. Der Vater, Vincenzio Galilei (1520-1591), war Edelmann, erwarb den Unterhalt der Familie als Tuchhändler und hatte zudem Begabungen in der Musik und Schriftstellerei. Die Mutter, Giulia Ammannati (1538-1620), kam aus begütertem Hause. Galileo verbrachte seine Kindheit in Pisa und später in Florenz und wurde dann in das Kloster St. Maria zu Vallombrosa geschickt, damit ihm dort eine ordentliche Erziehung zuteil werde. Auf Wunsch des Vaters schlug er dann aber keine kirchliche, sondern eine naturwissenschaftliche Laufbahn ein, erhielt Privatunterricht in Mathematik durch den seinerzeit berühmten Mathematiker Ostilio Ricci und studierte schließlich in Pisa Medizin (1581-1585); hier setzte er sich erstmals gründlich mit den Werken des Aristoteles und des Galenus auseinander. Gleichsam als Gegenentwurf zum aristotelischen Weltbild nimmt er in dieser Zeit auch Kenntnis von der Schrift des Nikolaus Kopernikus "De revolutionibus orbium coelestium", deren Theorie von der Sonne als Mittelpunkt der Welt und von einer um diese Sonne kreisenden Erde freilich dem jungen Studenten im Pisaer Kolleg als unzutreffend dargestellt wurde. Galileo Galilei, mittlerweile 19 Jahre alt, scheint zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Kritik an der einhelligen Ablehnung des Kopernikus gehegt oder gar formuliert zu haben. - Aus der Feder Vivianis, des ersten Biographen Galileis, stammt die berühmt gewordene Anekdote, daß der junge Student beim Beobachten eines langsam schwingenden Kronleuchters anläßlich einer Messer im Dom zu Pisa auf die Problematik der Pendelgesetze aufmerksam geworden sei - wie immer es um die Authentizität dieser Episode bestellt sein mag, verortet sie jedenfalls Galileis erste Schritte hin zur Ausarbeitung der Kinetik in diese Pisaer Studentenzeit. 1585 verläßt Galilei Pisa, ohne einen akademischen Grad erworben zu haben; die Medizin gibt er auf zugunsten mathematisch-physikalischer Studien, die er in Florenz durchführt. Er beschäftigt sich intensiv mit der Lektüre von Euklid und Archimedes und betreibt Forschungsarbeiten über Schwerpunktkonstellationen, die er aber erst gegen Ende seines Lebens publiziert. Die Mathematikstudien Galileis in Florenz waren außerordentlich erfolgreich, jedenfalls wurde er im Jahre 1589 auf Betreiben seines mathematischen Lehrers Guidobaldo dal Monte als Professor für Mathematik an die Universität in Pisa berufen. Als erste Arbeit entsteht hier ein Kommentar zum Almagest des Ptolemäus. Er entwickelt die Auffassung der Geschwindigkeitszunahme im Prozeß des freien Falles, betreibt Forschungen zum Gravitationsprinizip und untersucht die Bedingungen, denen Bewegungen auf schiefer Ebene unterliegen. In der Schrift "De motu", die unveröffentlicht bleibt, faßt er seine Studien zur Bewegungslehre vorläufig zusammen, zeigt sich dabei aber in vielem noch den Gedanken der Terministen des 14. Jahrhunderts verpflichtet. 1592 verläßt Galilei abermals Pisa, diesmal um einen finanziell wesentlich lukrativeren Lehrstuhl im zur Republik Venedig gehörenden Padua anzunehmen, den er achtzehn Jahre lang innehaben sollte. Der Tod des Vaters 1591 und die damit verbundene Verpflichtung zum Unterhalt der Familie hatten ihn zu diesem Schritt gezwungen, die abermalige Vermittlung del Montes ihn zuallererst ermöglicht. - In Padua befaßt er sich abermals intensiv mit dem Problem der Pendelschwingung und mit den Fallgesetzen. In seinen Anschauungen zur Kosmologie vollzieht sich hier nun auch allmählich der Übergang vom ptolemäisch-aristotelischen Weltbild zum Kopernikanismus. In einem berühmt gewordenen Brief an Kepler aus dem Jahre 1597 teilt er mit, er habe sich die Lehre des Kopernikus schon vor vielen Jahren zu eigen gemacht und Kopernikus' Auffassungen hätten es ihm ermöglicht, Naturprozesse zu erklären, für die mit den üblichen Hypothesen keine Erklärungen zu finden seien. Trotz dieser Erkenntnisse verzichtet Galilei aber auf eine Veröffentlichung seiner Sichtweise: im selben Brief an Kepler heißt es, er würde es nur wagen, seine Überlegungen öffentlich vorzutragen, wenn es mehr Menschen von Keplers Art gebe: da dies aber nicht so sei, halte er sich lieber zurück. Den Mut, sich mit der Publikation seiner Gedanken gegen die Kirche zu stellen und dabei gegebenenfalls eine Kontaktaufnahme mit der Inquisition zu riskieren, bringt Galilei trotz des ihm von Kepler brieflich zugerufenen "Confide, Galilaee" am Ende des 16. Jahrhunderts noch nicht auf. - Im Jahre 1599 beginnt Galilei eine Liebesbeziehung mit der Venetianerin Marina Gamba, aus der drei Kinder, die Töchter Virginia und Livia und der Sohn Vincenzio hervorgehen. An eine Heirat hat Galilei aber offensichtlich nicht gedacht. Seine Arbeit an der Universität Padua gestaltet sich außerordentlich erfolgreich, die Quellen berichten von großem Zulauf der Studenten und von wachsendem internationalen Ansehen, das Galilei sich im Laufe der Jahre erwirbt. Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit erhält er aus Venedig gut dotierte Aufträge zur Entwicklung und Errichtung von Bewässerungsanlagen und Hebevorrichtungen für Wasser. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kinetik und Mechanik führt er weiterhin nicht dem Druck zu, sie laufen in handschriftlich kopierten Manuskripten um. Die erste von ihm gedruckte Schrift ist in das Jahr 1606 zu datieren, es handelt sich um eine Gebrauchsanweisung für einen unter seiner Anleitung entwickelten Proportionszirkel, mit dessen Hilfe man Wurzel- und Zinsberechnungen, aber auch maßstabgetreue Verkleinerungen und Vergrößerungen vornehmen konnte. - Die Jahre 1609/1610 markieren in mehrfacher Hinsicht einen Wendepunkt in der Biographie Galileis; zunächst führt er 1609 in Venedig ein von ihm selbst nachgebautes (nicht: erfundenes) Fernrohr ein; in einem Widmungsbrief preist er v.a. die militärischen Vorteile an, die sich aus dem Gebrauch dieses Instruments ergeben. Die mit der feierlichen Inbetriebnahme des Fernrohrs im August 1609 auf dem Campanile von San Marco in Venedig verbundene Steigerung seines Ansehens, Festigung seines politischen Einflusses und nicht zuletzt die Verdoppelung seines Professorengehaltes sollte ihm aber nicht lange Freude bereiten: Der Neid vieler Kollegen und v.a. Gerüchte über einen mißbräuchlichen Umgang mit den Prioritätsrechten für das neue Instrument bringen ihn in eine schwierige Position. Kurz nach der "Fernrohraffäre" veröffentlicht er seine Schrift "Siderius nuncius". Sie enthält eine summarische Darstellung der aus der Benutzung des neuen Fernrohrs gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse; mit spürbarer Begeisterung und Entdeckerfreude werden die neuen Beobachtungen zur Mondoberfläche, zu den vier Jupitermonden und zu den Sternen der Milchstraße mitgeteilt. Zugleich enthält die Schrift ein nun deutlicheres, offenes Bekenntnis zum Weltbild des Kopernikus, das mit den neuen astronomischen Beobachtungen unabweisbar geworden war. Ebenfalls noch im Jahre 1610 setzt Galilei einen wohl schon länger gehegten Plan in die Tat um und verläßt Padua und wechselt nach Florenz als Mathematicus primarius des Großherzogs von Florenz und der Universität Pisa; er tritt damit in den Dienst der Medici. Dieser Wechsel von Padua nach Florenz dürfte nicht zuletzt durch das Ende der Beziehung mit Marina Gamba motiviert gewesen sein, die bald darauf einen Venetianer namens Giovanni Bartoluzzi heiratete. - In Florenz widmet sich Galilei Studien zum Problem schwimmender Körper, zugleich setzte er seine astronomischen Untersuchungen fort. Im Frühjahr 1611 wird er in Rom in die angesehene Academia dei lincei aufgenommen. 1612 regt sich in der Person und in den Predigten des Florentiner Paters Niccolo Lorini O.P. erster öffentlicher Widerstand gegen die von Galilei vertretene Auffassung von der Bewegung der Erde. Ein Jahr darauf erscheint die Untersuchung "Über die Sonnenflecken", die ganz kopernikanisch gefärbt ist und eine mögliche Rotation der Sonne um ihre eigene Achse diskutiert; sie führt zu einem Prioritätsstreit Galileis mit dem Ingolstädter Jesuiten Christoph Scheiner, der die Entdeckung der Sonnenflecken für sich reklamiert und eine völlig andere, gleichsam "aristotelische" Interpretation (Sonnenflecken als sonnenumkreisende Trabanten) bietet. Damit ist, ausgelöst durch die unterschiedliche Interpretation der Sonnenflecken, der grundsätzliche Kampf um das kopernikanische Weltbild neu entbrannt. Galilei bemüht sich, das Verhältnis von Naturerkenntnis und Bibel zu klären; er verfaßt einen Brief an den mit ihm befreundeten Benediktinerpater Castelli, in welchem er ausführt, daß die Bibel kein astronomisches Lehrbuch sei und oft in bildlichem Sinne spreche. Als Beurteilungsinstanz in naturwissenschaftlichen Zusammenhängen komme sie daher nicht in Betracht. Die berühmte einschlägige Stelle Josua 10 kann man nach Galilei ebenso gut verstehen, wenn man die Verlängerung des Tageslichts auf ein Anhalten der Erdbewegung mit Gottes Hilfe zurückführt. - Im Jahre 1615 erfolgt die Denunziation Galileis beim Heiligen Offizium durch die Dominikaner Caccici und Lorini auf Grundlage einer Abschrift des Briefes an Castelli. Galilei bekräftigt daraufhin in mehreren Briefen öffentlich seine Auffassungen. Er hält grundsätzlich am Kopernikanismus fest, versucht aber in einem Schreiben an Christine von Lothringen unter Berufung auf Augustinus ("De Genesi ad litteram") zu zeigen, daß bewiesene Beobachtungen aus dem Bereich der Natur keine Gefahr für den Glauben darstellen können, sondern ihn vervollständigen, da das Buch der Natur und das Buch der Offenbarungen (kirchliche Tradition und Bibel) je Teil der einen göttlichen Wahrheit seien. Er erhält die Möglichkeit, Anfang des Jahres 1616 in Rom seine Ansichten zu rechtfertigen, trifft aber v.a. bei dem Kardinal Robert Bellarmin auf energischen Widerspruch. Es erfolgt ein Urteil des Heiligen Offiziums gegen die Lehre von der Bewegung der Erde; diese dürfe von gläubigen Katholiken nicht anders als rein hypothetisch dargestellt werden. Insbesondere die Werke des Nikolaus Kopernikus "De revolutionibus orbium coelestium" (1543) und des Karmeliters Paolo Antonio Foscarini "Lettera sopra l'opinione de' Pittagori e del Copernico della mobilità della terra e stabilità del Sole" (1615) werden verworfen. Galilei muß seine "Irrtümer" aufgeben, wird aber nicht zum Abschwören oder zu Bußleistungen gezwungen. Mit dieser Entscheidung des Heiligen Offiziums ist im Jahre 1616 der erste Akt des "Falles Galilei" beendet. In der Frage nach dem kopernikanischen Weltbild folgt eine längere Ruhepause. Bis 1623 beschränkt sich Galilei im wesentlichen auf seine Aufgaben als Hofmathematiker in Florenz und setzt sich v.a. mit der peripatetischen Physik kritisch auseinander. - Im Jahre 1623 erscheint, provoziert durch die (pseudonym veröffentlichten) "Libra Astronomica ac Philosophica" des Jesuiten Horatio Grassi, Galileis "Il Saggiatore"; in diesem Werk, das in Form eines Briefes an den päpstlichen Kämmerer und Akademiekollegen Virginio Cesarini geschrieben ist, begründet Galilei seine wissenschaftstheoretischen Prämissen in polemischer Auseinandersetzung mit der von Grassi geübten scholastischen Methode. Die Arbeit enthält eine Widmung an den neuen Papst Urban VIII., der zuvor als Kardinal Maffeo Barberini zu den Bewunderern Galileis gezählt hatte. Indes erweist sich Galileis Hoffnung, unter dem neuen Papst werde sich die Anerkennung des kopernikanischen Weltbildes möglicherweise durchsetzen lassen, als unberechtigt: bei seiner Romreise 1624 vermag er trotz zahlreicher Audienzen beim Papst keine Aufhebung des antikopernikanischen Edikts von 1616 zu erwirken. Damit endet der zweite Akt des "Falles Galilei" mit einer einstweiligen Bestätigung des kirchenrechtlichen status quo. Galilei begibt sich zurück nach Florenz. Grassi verfaßt mit der "Ratio Ponderum Librae ac Simbellae" noch eine "Widerlegung" des "Saggiatore". - In den späten zwanziger Jahren entsteht dann Zug um Zug Galileis wissenschaftliches Hauptwerk, der "Dialogo", der letztlich der Auslöser für die Verurteilung Galileis durch das Heilige Offizium werden sollte. Der stilistisch und rhetorisch brillant geschriebene Text gibt sich nach außen hin als ein offenes Gespräch zwischen drei Disputationspartnern; Anfang und Schluß unterstreichen angesichts der im "Dialogo" aufgeworfenen Fragen und Meinungen ostentativ die Untertänigkeit des Verfassers gegenüber der kirchlichen Lehre; die Entscheidung von 1616 wird als "heilsames Edikt" bezeichnet. Aber dies wie auch das gesamte äußere setting des Textes ist leicht als ironisch zu identifizieren. Allein die Gestalten der drei Disputationspartner zeigen dies deutlich: Salviati, hinter dessen Argumentation sich Galilei selbst verbirgt und der den Namen eines 1614 verstorbenen Schülers und Freundes Galileis trägt, führt die entscheidenden Argumente für das kopernikanische Weltbild ins Feld; Sagredo, ebenfalls an einen 1620 verstorbenen Freund Galileis erinnernd, führt durch Fragen und Beiträge das Gespräch konstruktiv weiter; Simplicio dagegen, schon durch die Namensgebung als einfältiger und naiver Mensch diskreditiert, trägt die (sämtlich zum Scheitern verurteilten) Argumente der Aristoteliker vor, wie sie von den Jesuiten und Dominikanern der Zeit der kopernikanischen Lehre und Galilei entgegengehalten wurden. Das Manuskript des "Dialogo" war wohl schon 1629 abgeschlossen, jedoch verzögerte sich die Erteilung der kirchlichen Druckerlaubnis, die nach persönlicher Intervention Galileis bei Urban VIII. in Rom (1630) schließlich erteilt wurde, wenngleich zunächst nur für Florenz. Da Galilei zudem einige Änderungswünsche des Papstes gegenüber seinem Text nur unzureichend beachtet hatte, gestaltete sich die Verbreitung des Buches schwierig: 1632 wird der Druckerei Landini in Florenz der Verkauf des Werkes verboten, zudem wird Galilei auferlegt, keine Exemplare des Buches mehr zu verbreiten. Ein Einspruch des Großherzogs von Florenz hiergegen bleibt ohne Wirkung. Im Oktober 1632 wird Galilei vor das Inquisitionsgericht bestellt und aufgefordert, sich nach Rom zu begeben, wo mittlerweile seine Gegner eindeutig die Oberhand haben. Der eigentliche Prozeß findet dann erst in der ersten Hälfte des Jahres 1633 in Rom statt. Im den offiziellen Verhören wird Galilei unterstellt, er habe ein ihm bereits 1616 auferlegtes Verbot, sich überhaupt zur kopernikanischen Lehre zu äußern, übertreten. Galilei distanziert sich von seinem "Dialogo" ("es kam mir ... wie ein neues Buch eines anderen Verfassers vor"...) und sagt sich vom kopernikanischen Weltbild insgesamt los. Er beteuert, seit dem Dekret des Jahres 1616 der Lehre des Kopernikus niemals angehangen zu haben und sie jetzt und fortan nicht zu vertreten. Am 22.6.1633 erfolgt im großen Saal des Dominikanerklosters Santa Maria sopra Minerva in Rom die offizielle Verurteilung Galileis, die mit dem Sprechen der Abschwurformel durch den Verurteilten endet: "Ich, Galileo Galilei, habe abgeschworen, geschworen, versprochen und mich verpflichtet, wie ich eben näher ausgeführt habe. Zum Zeugnis der Wahrheit habe ich diese Urkunde meines Abschwörens mit eigener Hand unterzeichnet und sie Wort für Wort vorgelesen, in Rom im Kloster der Minerva am 22. Juni 1633. Ich, Galileo Galilei, habe abgeschworen und mit eigener Hand unterzeichnet." Er entgeht damit der drohenden Todesstrafe, wird aber auf Lebenszeit unter Hausarrest gestellt, den er in Arcreti bei Florenz verbüßen darf. Der zum geflügelten Wort gewordene Satz "Und sie bewegt sich doch", den Galilei unmittelbar nach seiner Abschwörung in Rom leise vor sich hin gesprochen haben soll, ist sicher legendarisch; er hat aber insofern einen historischen Anhalt, als er die Diskrepanz zwischen der äußerlichen Kapitulation vor dem Inquisitionsgericht und dem inneren Festhalten an den seit langem gefundenen wissenschaftlichen Überzeugungen eindrucksvoll illustriert. - In seinen letzten Lebensjahren hat Galileo Galilei noch sein Alterswerk, die "Discorsi", publiziert. Hierin hat er sich noch einmal mit Fragen der Kinetik und Statik auseinandergesetzt. Die "Discorsi" gelten als Meilenstein auf dem Wege zur modernen Physik, weil hier alle spekulativ-naturphilosophischen Fragen konsequent von der Physik abgetrennt werden und der Bereich der experimentellen Analyse als angemessenes Betätigungsfeld mathematisch-physikalischer Wissenschaft namhaft gemacht wird. Galileis "Dialogo" wurde, obgleich auf dem Index librorum prohibitorum befindlich, weiter abgeschrieben und in Leiden sogar in lateinischer Sprache gedruckt; bald darauf erschien in Paris auch eine Übersetzung ins Französische. Galilei selbst hat seine letzten Jahre in schlechtem Gesundheitszustand verbracht, seit 1638 war er vollständig erblindet. Am 8.1.1642 ist er in Arcreti gestorben und wurde in Santa Croce beigesetzt. 1835 wurde der "Dialogo" vom Index genommen. 1992 wurde Galileo Galilei von Papst Johannes Paul II. offiziell rehabilitiert. - Galileos Ruhm und Popularität als persönlich zwar gescheiterter, langfristig aber eben doch erfolgreicher Vorkämpfer für die Freiheit individuellen Denkens und Forschens gegen eine anmaßend und rückständig Normen verteidigende und durchsetzende kirchliche (Zwangs)-Institution ist gewiß bisweilen anachronistisch und auch etwas schablonenhaft überzeichnet worden, besteht aber im Ganzen durchaus zu Recht, wenn man die weitere Entwicklung der Geistesgeschichte, aber auch des kirchlichen Rechts in Betracht zieht. An Galileis hoher historischer Bedeutung für die Grundlegung und Fortentwicklung der neuzeitlichen Physik und Mathematik kann kein Zweifel bestehen. Die bisweilen vertretene Auffassung, daß er als Symbolfigur für einen vermeintlich unüberbrückbaren Gegensatz von Christentum und moderner Naturwissenschaft in Anspruch zu nehmen sei, ist in jüngerer Zeit einer differenzierteren Betrachtungsweise gewichen.
Werke: Le Opere, 20 Bde., Hg. A. Favaro, Florenz 1890-1909 (19684).
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Lit.: Ludwig Bieberach, Galilei und die Inquisition, München 1938; - Friedrich Dessauer, Der Fall Galilei und wir, Frankfurt/Main 1951; - Hans-Christian Freiesleben, Galileo Galilei - Physik und Glaube an der Wende zur Neuzeit, Stuttgart 1956; - Louis V.P.R. de Broglie, Galilée et l'aurore de la science moderne, Paris 1965; - Ernan McMullin, Galilei - Man of Science, New York 1968; - Johannes Hemleben, Galilei, Reinbek 1969. 199916; - Ugo Dotti, Galilei. La vita, il pensiereo, i testi esemplari, I memorabili 19, Mailand 1971; - Jerome J. Langford, Galileo, science and the church, Ann Arbor 1971. 19933; - Alberto Asor Rosa, Galilei e la nuova scienza, Letteratura italiana Laterza 27, Bari 1974; - Clive Morphet, Galileo and Corpenican Astronomy. 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Jörg Ulrich
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Letzte Änderung: 22.06.2010