KARL IV. DER SCHÖNE, der letzte direkte Kapetinger, * 1293 o. 1294
in Clermont (Oise) als dritter und jüngster Sohn Kg. Philipps IV.
des Schönen v. Frankreich und seiner Gemahlin Johanna I. Kg.in v.
Navarra; Kg. v. Frankreich und v. Navarra (dort als Karl I.) 1322,
† 1.2. 1328 in Vincennes, beigesetzt in Saint Denis bei Paris.
Wie seine beiden Brüder Ludwig X. und Philipp V. vor ihm führte er
die Politik seines erfolgreichen Vaters Philipp IV. fort. Der kgl.
Rat, das Parlament und die Rechnungskammer wurden straffer organisiert,
die Kroneinkünfte teils auf Kosten des Adels, teils durch Steuererhöhungen
und Einsparungen gesteigert und die Krondomänen erweitert. Auch wurden
die Pfarreien und Herdfeuer als Steuergrundlage gezählt. Im seit langem
schwelenden Streit um den geistlichen Gerichtsstand (privilegium fori)
war seine Politik ebenso von Entgegenkommen geprägt wie bei der päpstlichen
Sondersteuer gegen die »ketzerischen« Visconti und ihre Parteigänger,
allen voran König Ludwig IV. den Bayern. Schon bei Regierungsantritt
führte er die Idee seiner Vorgänger fort, den Christen in Armenien
und Zypern mit einem Kreuzzug zu helfen. Aber wie das Projekt der
Herrschaftsnachfolge in Mallorca und die Annahme der Kaiserkrone aus
der Hand Herzog Leopolds von Habsburg 1324 kam auch der Zug ins Hl.
Land nicht zur Verwirklichung. Am nachhaltigsten prägten seine Unternehmungen
in der Guyenne und Flandern die französische Geschichte. In beiden
Fällen wurden englische Interessen berührt. Zwar gelang es ihm, den
englischen Kg.en Eduard II. und III. Ländereien in Südwestfrankreich
zu entreißen, doch wurden dadurch nur die Spannungen zwischen beiden
Ländern geschürt, die letztlich in den Hundertjährigen Krieg münden
sollten. In Flandern erhoben sich Bauern und Stadtbewohner 1323. Eine
fatale Politik des Grafen von Flandern, Steuererhöhungen, Mißernten
und Absatzschwierigkeiten sowie die Beschneidung von althergebrachten
Bauernrechten durch die Grundherren führten zum ersten großen Volksaufstand
des Spätmittelalters. Durch seinen frühen Tod gelang es K. IV. nicht,
dort die Lage zu sichern, und erst sein Nachfolger Philipp VI. konnte
in der Schlacht bei Cassel 1328 die flandrischen Kommunalmilizen vernichtend
schlagen und damit auch englische Einmischungsversuche zunächst abwenden.
Mit dem Tode K.s IV. starb die direkte Linie der Kapetinger aus, und
eine Nebenlinie, das Haus Valois, konnte sich gegen die ebenfalls
berechtigten Herrschaftsansprüche der englischen Plantagenets unter
Edward III. in Frankreich durchsetzen.
Quellen: Ordonnances des roys de France 1, 1723, 759-813;
Recueil des historiens des Gaules et de la France 20-23, 1850-1894;
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1910-1919; Lettres secrètes et curiales du pape Jean XXII (1316-1334)
relatives à la France 2-3, hrsg. v. Auguste Coulon u. Suzanne Clemencet,
1961.
Lit.: Marc Bloch, La France sous les derniers Capétiens
1223-1328, 19712; - Ch.-V. Langlois, Histoire de France,
hg. v. Ernest Lavisse, Bd. III/2, 1911, 119-123, 281, 295, 301f.,
310 f., 318, u. ö.; - Norman J. Housley, The Francopapal crusade
negotiations of 1322-3, in: Papers of the British School at Rome 48,
1980, 166-185; - Robert-Henri Bautier, La royauté, in: La France
médiévale, hrsg. v. Jean Favier, 1983, 172; - Jean Favier, Histoire
de France 2: Le temps des principautés de l'an mil à 1515, 1984, 260-263;
dt.: Geschichte Frankreichs 2: Frankreich im Zeitalter der Lehnsherrschaft
1000-1515, 1989, 282-286; - Hubert Collin, Les préparations du
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in: Le Sacre des Rois. Actes du colloque international d'histoire
sur les sacres et couronnements royaux (Reims 1975), 1985, 141-144;
- Joachim Ehlers, Geschichte Frankreichs im Mittelalter, 1987,
198 f., 201-203; - DHGE XII, 448 f.; - LThK V, 1352; -
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Christian Lohmer
Letzte Änderung: 06.11.2011