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Band III (1992) Spalten 1111-1112 Autor: Christian Lohmer

KARL IV. DER SCHÖNE, der letzte direkte Kapetinger, * 1293 o. 1294 in Clermont (Oise) als dritter und jüngster Sohn Kg. Philipps IV. des Schönen v. Frankreich und seiner Gemahlin Johanna I. Kg.in v. Navarra; Kg. v. Frankreich und v. Navarra (dort als Karl I.) 1322, † 1.2. 1328 in Vincennes, beigesetzt in Saint Denis bei Paris. Wie seine beiden Brüder Ludwig X. und Philipp V. vor ihm führte er die Politik seines erfolgreichen Vaters Philipp IV. fort. Der kgl. Rat, das Parlament und die Rechnungskammer wurden straffer organisiert, die Kroneinkünfte teils auf Kosten des Adels, teils durch Steuererhöhungen und Einsparungen gesteigert und die Krondomänen erweitert. Auch wurden die Pfarreien und Herdfeuer als Steuergrundlage gezählt. Im seit langem schwelenden Streit um den geistlichen Gerichtsstand (privilegium fori) war seine Politik ebenso von Entgegenkommen geprägt wie bei der päpstlichen Sondersteuer gegen die »ketzerischen« Visconti und ihre Parteigänger, allen voran König Ludwig IV. den Bayern. Schon bei Regierungsantritt führte er die Idee seiner Vorgänger fort, den Christen in Armenien und Zypern mit einem Kreuzzug zu helfen. Aber wie das Projekt der Herrschaftsnachfolge in Mallorca und die Annahme der Kaiserkrone aus der Hand Herzog Leopolds von Habsburg 1324 kam auch der Zug ins Hl. Land nicht zur Verwirklichung. Am nachhaltigsten prägten seine Unternehmungen in der Guyenne und Flandern die französische Geschichte. In beiden Fällen wurden englische Interessen berührt. Zwar gelang es ihm, den englischen Kg.en Eduard II. und III. Ländereien in Südwestfrankreich zu entreißen, doch wurden dadurch nur die Spannungen zwischen beiden Ländern geschürt, die letztlich in den Hundertjährigen Krieg münden sollten. In Flandern erhoben sich Bauern und Stadtbewohner 1323. Eine fatale Politik des Grafen von Flandern, Steuererhöhungen, Mißernten und Absatzschwierigkeiten sowie die Beschneidung von althergebrachten Bauernrechten durch die Grundherren führten zum ersten großen Volksaufstand des Spätmittelalters. Durch seinen frühen Tod gelang es K. IV. nicht, dort die Lage zu sichern, und erst sein Nachfolger Philipp VI. konnte in der Schlacht bei Cassel 1328 die flandrischen Kommunalmilizen vernichtend schlagen und damit auch englische Einmischungsversuche zunächst abwenden. Mit dem Tode K.s IV. starb die direkte Linie der Kapetinger aus, und eine Nebenlinie, das Haus Valois, konnte sich gegen die ebenfalls berechtigten Herrschaftsansprüche der englischen Plantagenets unter Edward III. in Frankreich durchsetzen.

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Quellen: Ordonnances des roys de France 1, 1723, 759-813; Recueil des historiens des Gaules et de la France 20-23, 1850-1894; Jean XXlI (1316-1334), Lettres communes 4-7, hrsg. v. Guillaume Mollat, 1910-1919; Lettres secrètes et curiales du pape Jean XXII (1316-1334) relatives à la France 2-3, hrsg. v. Auguste Coulon u. Suzanne Clemencet, 1961.

Lit.: Marc Bloch, La France sous les derniers Capétiens 1223-1328, 19712; - Ch.-V. Langlois, Histoire de France, hg. v. Ernest Lavisse, Bd. III/2, 1911, 119-123, 281, 295, 301f., 310 f., 318, u. ö.; - Norman J. Housley, The Francopapal crusade negotiations of 1322-3, in: Papers of the British School at Rome 48, 1980, 166-185; - Robert-Henri Bautier, La royauté, in: La France médiévale, hrsg. v. Jean Favier, 1983, 172; - Jean Favier, Histoire de France 2: Le temps des principautés de l'an mil à 1515, 1984, 260-263; dt.: Geschichte Frankreichs 2: Frankreich im Zeitalter der Lehnsherrschaft 1000-1515, 1989, 282-286; - Hubert Collin, Les préparations du sacre du roi Charles le Bel à la cour comtale de Bar-le-Duc en 1322, in: Le Sacre des Rois. Actes du colloque international d'histoire sur les sacres et couronnements royaux (Reims 1975), 1985, 141-144; - Joachim Ehlers, Geschichte Frankreichs im Mittelalter, 1987, 198 f., 201-203; - DHGE XII, 448 f.; - LThK V, 1352; - LMa V, 974 f.

Christian Lohmer

Letzte Änderung: 06.11.2011