KUKUZELES d. J., Josaphat, Mönch und Kirchensänger auf Athos, 2. Hälfte
des 14. Jh.s/-Anfang des 15. Jh.s. - In einer anderen Umschrift
des Vornamens kommt auch die Form Joasaph vor. Daten zu seinem Leben
lassen sich nur indirekt über Joan (Johannes) K. erschließen, den
bedeutendsten Komponisten und Musiktheoretiker der byzantinischen
Kirchenmusik seit Johannes Damascenus. Wie die Musikwissenschaftlerin
Lada Braschowanowa (s. Lit.) mitteilt, konnte es durchaus vorkommen,
daß ein berühmter Mönch seinen Namen auf seine Schüler »vererbte«.
Demnach war Josaphat vermutlich Schüler und Fortsetzer der Tradition
von Joan K., wobei allerdings nicht auszuschließen ist, daß er ebenfalls
aus der bulgarischen Heimat seines berühmten Vorbilds stammte oder
sogar dessen engerer oder weiterer Familie angehörte. Der Wiener Musikwissenschaftler
Egon Wellesz teilt, ohne Angabe von Quellen, mit, K. sei Bewohner
des Klosters Vatopedi auf dem Berg Athos gewesen. Ein auf etwa 1390
zu datierendes Notenhirmologion wird ihm zugeschrieben. Allerdings
ist unbekannt, ob darin auch eigene Kompositionen enthalten sind,
oder ob es sich lediglich um eine Sammlung überlieferter Melodien
handelt. Solange die Musikhandschriften der Athosklöster nicht zugänglich
sind oder wenigstens gesicherte Informationen über Bestände einzelner
Klöster (vorbildlich hier: Mateja Matejic, Hilandar Slavic Codices,
Ohio State University, 1976) vorliegen, lassen sich weitere Nachrichten
über Josaphat K. nicht gewinnen.
Werke: Notenhirmologion, ca. 1390.
Lit.: J. Thibaut, Etude de musique byzantine, in: Bulletin
de l'Institut archéologique russe de Constantinople VI, 1900, 361-390;
- Ders., Origine byzantine de la Notation Neumatique de l'Eglise
Latine, 1907, 41; - Ders., Monuments de la Notation Ekphonétique
et Hagiopolite de l'Eglise Grecque, 1913, 127; - P. Sarafov, Lehrbuch
f. praktisches und theoretisches Studium der östlichen Kirchenmusik,
1912, 139 (in bulgarischer Sprache); - Philaret Cernigowsky, Istoriceski
obzor pesnopewcew (Hist. Überblick über die Sänger), 1920 2, 418;
- Egon Wellesz, Byzantinische Musik, 1927, 35 f. 57; - Ders.,
A History of Byzantine Music, 1949 (1961 2, 443); - Lada Braschowanowa,
Die mittelalterliche bulgarische Musik und Joan Kukuzel, 1984, 79 f.;
- MGG VII, 1889.
Hans-Josef Olszewsky
Letzte Änderung: 06.11.2011