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Band IV (1992) Spalten 842-843 Autor: Karl Dienst

KUTTER, Hermann, evangelischer Theologe, * 12.9. 1863 in Bern, Sohn des Wilhelm Rudolf K. (1818-88) und der Marie Albertina König (1833-1923), er heiratete 1892 Lydia Rohner (1868-1936), + 22.3. 1931 Zürich. - Einem pietistischen Elternhaus entstammend studierte K. evangelische Theologie in Basel, Bern und Berlin. 1844 wurde er Pfarrer in Vinelz (Bielersee), 1898 in Zürich (Neumünster). Unter dem Eindruck der Zusammenschau von christlicher Reichsgotteserwartung, zeitgenössischer Lebensphilosophie, sozialistischen Zukunftsglaubens des jüngeren Blumhardt sowie der Philosophie des deutschen Idealismus kam K. zu einer dynamischen Gottesvorstellung: Gott, der in Christus Mensch und Welt »in unendlicher Realität durchdringt«, ist die »einzige Lebensrealität«. Mit dieser »theozentrischen Theologie« hat K. der sogenannten »Dialektischen Theologie« (Karl Barth, Emil Brunner, Eduard Thurneysen) vorgearbeitet. In der Geschichte der Menschheit vollzieht sich für K. »die Rückkehr zum unmittelbaren Leben«, wofür ihm auch der Sozialismus ein Zeichen ist. Diese Rückkehr zur Unmittelbarkeit ist aber für K. zugleich Sinn und Ziel des Christentums. Die Sozialdemokraten sind für ihn Werkzeuge des lebendigen Gottes; »sie müssen« im Dienste Gottes, ohne daß sie es selbst wissen, der Welt das Gericht und die große Wende verkündigen. Allerdings trat K. (im Unterschied zu Leonhard Ragaz und Karl Barth) nicht in die Sozialdemokratische Partei ein, wie er auch Evangelium und Sozialismus nicht identifizierte.

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Werke: Clemens Alexandrinus und das NT, 1897; W. v. St. Thierry, 1898; Die Welt des Vaters, 1901; Das Unmittelbare, eine Menschheitsfrage, 1902, 19213; Sie müssen! Ein offenes Wort an die christl. Gesellschaft, 1903, 19103; Gerechtigkeit, 1905, 19102; Wir Pfarrer, 1907, 19122; Die Revolution des Christentums, 1908, 19122; Reden an die deutsche Nation, 1916; Das Bilderbuch Gottes für Groß und Klein, 1917; Im Anfang war die Tat, 1923; Wo ist Gott?, 1926; Not und Gewißheit, 1926; Plato und wir, 1927; Mein Volk, 1929.

Bibliographie: Hermann K. jr., H. K.s Lebenswerk, 1965.

Lit.: Ernst Steinbach, Konkrete Christologie, 1934; - Walter Nigg, H. K.s Vermächtnis, 1941; - H. K. in seinen Briefen. Hrsg. von Max Geiger und Andreas Lindt, 1983; - Andreas Lindt, H. K., in: Martin Greschat (Hrsg.), Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. 10, 1: Die neueste Zeit III, 1985, 139 ff.; - RGG 3IV, 190 f.; - NDB XII, 350 f.

Karl Dienst

Literaturergänzung:

Friedhelm Groth: "bebel- und auch bibelfest". Eschatologischer Universalismus und Engagement für den Sozialismus in der Reich-Gottes-Hoffnung des jüngeren Blumhardt. Eine Hoffnung und ihre Nachwirkungen, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart 1999; - Andreas Hetzenecker, S.K. in Amerika 1940-1964. Berlin 2007.

Letzte Änderung: 06.11.2011