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Band XXIX (2008) Spalten 889-891 Autor: Georg Arnold

MAHFUZ, Nagib (auch Machfus, Nagib oder Mahfouz, Naguib), * 11. Dezember 1911 in Kairo, † 30. August 2006 ebendort, war ein ägyptischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger. - Nagib Mahfuz wurde 1911 als jüngstes von sieben Kindern in Kairo geboren. Der Vater war Angestellter im unteren Staatsdienst. Mahfuz besuchte die Oberschule, studierte Philosophie und arbeitete seit den 1930er Jahren als Beamter. Bis zu seiner Pensionierung war er in unterschiedlichen Bereichen der ägyptischen Kulturverwaltung tätig. Neben seiner Arbeit verfaßte Mahfuz zunächst Kurzgeschichten und veröffentlichte ab Ende der 1930er Jahre die ersten Romane. Diese Frühwerke waren vornehmlich Historienromane über das antike Ägypten. Im Hinblick auf den halbkolonialen Status des damaligen Königreichs versuchte Mahfuz, die historische Bedeutung des Landes darzustellen und wirkte damit auch Identität stiftend in der Gegenwart. - Zu Mahfuz frühen Kindheitserlebnissen zählten die als "Revolution" bezeichneten großen Demonstrationen von 1919, die sich gegen die von den Westmächten nach dem ersten Weltkrieg auferlegte Ordnung und die britische Herrschaft richteten. Diese Erlebnisse bildeten den historischen Ausgangspunkt weiterer Romane, in denen er sich ab Mitte der 1940er Jahre zeitgenössischeren Themen zuwandte. In seiner "Kairoer Trilogie", die ihm den ägyptischen Staatspreis für Literatur und weltweite Anerkennung einbrachte, erzählt Mahfuz die Geschichte einer Kaufmannsfamilie über drei Generationen und stellt den Wandlungsprozeß der ägyptischen Gesellschaft in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts dar. Mahfuz unterstützte in späteren Jahren den Friedensprozeß mit Israel und befürwortete eine säkulare, demokratische Gesellschaftsordnung. Aufsehen erregte 1959 sein Roman "Die Kinder unseres Viertels", indem er die monotheistischen Religionen kritisierte. Auf Grund der Proteste konservativer islamischer Kreise konnte das Buch in Ägypten erst 47 Jahre später auf Arabisch erscheinen. Als ihm 1988 als erster arabischer Schriftsteller der Literaturpreis verliehen wurde, empfanden dies einige als Provokation. Ein radikaler Geistlicher verhängte in einer Fatwa ein Todesurteil. 1994 überlebte er nur knapp und schwer verletzt ein Attentat. - Nagib Machfus, der neben Romanen und Kurzgeschichten auch Drehbücher schrieb und nur sehr selten seine Heimat verließ, publizierte rund fünfzig Werke. Er gilt als Vater des arabischen Romans und als Zeitzeuge und Chronist des ägyptischen Staates. In Deutschland wurde er erst mit der Verleihung des Literaturnobelpreises einem größeren Publikum bekannt. Mahfuz starb im August 2006 in einem Kairoer Krankenhaus.

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Werke (Auswahl deutscher Übersetzungen): Das Buch der Träume. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2007; Die Midaq-Gasse. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2007; Cheops. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2007; Die Kinder unseres Viertels. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2006; Die Reise des Ibn Fattuma. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2006; Cheops. Hörbuch, gesprochen von Gunter Schoß. Aus dem Arabischen von Doris Kilias. Kürzung und Hörbuchbearbeitung von Franziska Paesch, Regie: Franziska Paesch und Jens Kronbügel, Hamburg 2006; Radubis. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2006; Der Rausch. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2005; Das Hausboot am Nil. Aus dem Arabischen von Nagi Naguib. Mit einem Nachwort von Stefan Weidner, Frankfurt am Main 2004; Echnaton. Hörbuch, gesprochen von Rainer Strecker. Regie und Musik von Ulrich Maske, Hamburg 2004; Ehrenwerter Herr. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2004; Der letzte Tag des Präsidenten. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2003; Anfang und Ende. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2002; Das Ägypten des Nagib Machfus. Auszüge aus seinen Romanen und Fotografien von Georg Kürzinger, Frankfurt a.M. u.a. 2002; Die Midaq-Gasse. Hörbuch, gelesen von Max Volkert Martens. Regie: Ralf Becher. Texteinrichtung: Katia Semprich, München 2002; Miramar. Aus dem Arabischen von Wiebke Walther, Zürich 2002; Spiegelbilder. Mit 50 Illustrationen von Saif Wanli. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2002; Echnaton, der in der Wahrheit lebt. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2001; Kairo-Trilogie. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2001; Anfang und Ende. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2000; Die Nacht der tausend Nächte. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 2000; Echo meines Lebens. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Mit einem Nachw. von Nadine Gordimer. Zürich 2000; Das Lied der Bettler. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 1998; Mein Ägypten. Mohammad Salmawy im Gespräch mit dem Nobelpreisträger Nagib Machfus. Fotografien von Gilles Perrin, Hamburg 1998; Die Spur. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 1997; Palast der Sehnsucht. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 1996; Zuckergässchen. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 1996; Zwischen den Palästen. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 1996; Das Lied der Bettler. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 1995; Die segensreiche Nacht. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich und Wiebke Walther, Zürich 1994; Der Dieb und die Hunde. Aus dem Arabischen von Doris Kilias, Zürich 1993; Die Kneipe zur Schwarzen Katze. Aus dem Arabischen von Susanne Enderwitz, Berlin 1993; Der Dieb und die Hunde. Ins Deutsche übertragen von Doris Erpenbeck, Frankfurt a.M. u.a. 1990; Die Moschee in der Gasse. Ins Deutsche übertragen von Wiebke Walther, Zürich 1989; Über Nagib Machfus, Zürich 1989.

Lit. (Auswahl): Hartmut Fähndrich, Arabische Prosa als Lebens-Geschichte. Zum Tod des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Machfus, In: Neue Zürcher Zeitung, 31. August 2006; - Abdelsalam A. Heder, Die Darstellung islamistischer Tendenzen und Gruppen im ägyptischen Roman von 1945 bis 2000. Diss.; Bamberg 2001; - Hartmut Fähndrich, Nagib Machfus, München 1991.

Georg Arnold

Letzte Änderung: 09.04.2011