MAXIMILIAN II. König von Bayern (seit 1848); * 28.11. 1811 in München; † 10.3. 1864 in München. - Als Sohn des Königs Ludwig I. und der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen geboren, wurde er gründlich und vielseitig erzogen, wobei die Erzieher nicht unzweifelhaft waren. Es sind zu nennen der schottische Mönch in Regensburg McIver, der spätere Bischof von Eichstätt Georg Oettl, der österreichische Aufklärer Joseph von Hornmayr und der Protestant Philipp Lichtentaler. In Göttingen und Berlin vertiefte er vor allem sein staatsrechtliches und geschichtliches Wissen, wo er bei Dahlmann, Raumer, Heeren und Ranke Kurse belegt hatte. Er reiste nach Italien und in habsburgische Lande. Seine Religiosität war geprägt vom Philosophen Schelling und seinem Beichtvater Karl Reindl. Mit 21 Jahren kaufte er die Ruine Hohenschwangau und ließ sie wiederaufbauen, womit er sich romantischen Kreisen öffnete. 1842 heiratete er die Prinzessin Marie von Preußen, die ihm zwei Söhne gebar. - Wichtige Bezugspersonen waren Prof. von der Pfordten, der spätere Minister, Friedrich Thiersch und Wilhelm Dönniges, mit dem er über Sozialismus und Kommunismus debattierte und der sein Berater wurde. - In der deutschen Frage war er Vertreter der Trias-Idee und zur Frankfurter Versammlung legte er einen Verfassungsentwurf vor. Später lag ihm viel an der eigenen Existenz der Staaten innerhalb des Deutschen Bundes, wofür er sich 1859 und 1863 einsetzte. Anders als in der Innenpolitik, versuchte M. in der deutschen Frage quasi den Status quo unverändert zu erhalten. Die Trias-Idee war die weitestgehende Konzession und dabei erhoffte er sich erst noch den Führungsanspruch dieser dritten Kraft. Doch weder Bayern noch der Deutsche Bund waren fähig, eine eigene Politik gegen Oesterreich und Preußen durchzusetzen. Mit der Lösung der Schleswig-Holsteinfrage, die ohne Teilnahme Bayerns erfolgte, war die Trias-Idee endgültig gescheitert. - Innenpolitisch setzte er auf gute Allgemeinbildung und versuchte den konfessionellen Frieden zu wahren. In der sozialen Frage ging er gegen Kinderarbeit vor und bejahte die Arbeiterorganisationen. In seinem Sozialprogramm versuchte er die Fürsorge in Institutionen zu verankern. Selbst volksverbunden und heimatliebend suchte er Kunst und Brauchtum des Volkes zu fördern. Als er 1848, nach der Abdankung seines Vaters, die Regierungsgeschäfte übernahm, war Bayern in Aufruhr begriffen. Gerade in sozialen und reformerischen Fragen selten gleicher Meinung wie sein Vater, versuchte er sofort die Spannungen zu mildern, indem er grundsätzlich gebilligte Forderungen in sein Regierungsprogramm aufnahm. Neben Verfassung wurden auch Parlament und Gesetze in fortschrittlicher Weise revidiert. - Die Berufung berühmter Professoren - die sogenannten »Nordlichter« - gab München zwar Auftrieb als Universitätsstadt, brachte aber auch Aengste und Unruhe mit, weil die meisten protestantisch und eher liberal waren. Trotz dieser Probleme herrschte in München ein allseits bewundertes Engagement in Kultur und Wissenschaft. Außer der Akademie gründete M. auch das Bayerische Nationalmuseum, das durch »Sichtbarmachung der Geschichte« das Nationalgefühl stärken sollte. Zusätzlich zur Reform des gesamten Schulwesens versuchte M. auch die Förderung der Elite zu stärken. Seit 1854 versammelte er wöchentlich die geistige Elite Münchens in Symposien. - In der Architektur war Friedrich Bürklein verantwortlich für die Gestaltung der Maximilianstraße, die ihren Abschluß mit dem 1874 vollendeten Maximilianeum auf der Isarhöhe erhielt. Der »Maximiliansstil« war gotisch, vor allem vom englischen Tudor-Stil geprägt. - Bayern und München haben M. geistig und kulturell vieles zu verdanken, doch politisch gesehen war er von den anstehenden Problemen und der Krise, in welcher sich Bayern und Deutschland befanden, überfordert.
Lit.: Grandauer, Bernhard; Rede zur fünfundzwanzigjährigen Jubelfeyer des Regierungs-Antrittes Seiner Majestät Maximilian Josephs, Königs von Baiern. Gehalten am 16. Febr. 1824. Würzburg 1824; - Huldigung Ihren Königlichen Majestäten Maximilian und Marie bei allerhöchst deren Anwesenheit in Bamberg. Dargebracht von der Königlichen Studien-Anstalt daselbst am 1. Aug. 1853. Bamberg 1853; - Döllinger, Ignaz von; König Maximilian II. und die Wissenschaft. Rede gehalten in der Festsitzung der K. Akademie der Wissenschaften zu München am 30. März. München 1864; - Faust, Franz Anton; Trauerrede bei dem feierlichen Gottesdienste für den dahingeschiedenen höchstseligen König Maximilian II. von Bayern. Gehalten am Dienstag d. 22. März 1864 in der Stiftskirche zu Aschaffenburg. Aschaffenburg 1864; - Hauff, Ludwig; Leben und Wirken Maximilian II., König's von Bayern. Ein Volksbuch. München 1864; - Kobak, Joseph; Das Denkmal im Herzen. Nachruf an Seine Majestät den König Maximilian II. von Bayern, unsterblichen, allgesegneten Andenkens, gesprochen bei der für Allerhöchstdenselben in der Synagoge zu Bamberg am 24. März 1864 abgehaltenen Todtenfeier. Bamberg 1864; - Müller, Venanz; Maximilian II., König von Bayern. Ein vaterländisches Geschichtsbild. Regensburg 1864; - Steigerwald, Jakob F.; Trauerrede auf weiland Seine Majestät Maximilian II., König von Bayern. Gehalten in der Studienkirche zu Würzburg am 7. April 1864 aus Anlaß des für Allerhöchstdenselben von der königlichen Studienanstalt dahier veranstalteten Trauergottesdienstes. Würzburg 1864; - Weber, Nicolaus; Trauer-Rede auf den allerdurchlauchtigsten, großmächtigsten König Maximilian II. von Bayern gehalten beim 2. Feierlichen Trauer-Gottesdienst in der St. Cajetans-Hofkirche zu München den 16. März 1864. München 1864; - Fabri, Ernst Friedrich Wilhelm; Predigt bei der Trauerfeier für Se. Majestät Maximilian II. König von Bayern. Gehalten am 19. März 1864 in der protestantischen Pfarrkirche zu Würzburg. Würzburg 1864; - Katzenberger, Martin; Die Wissenschaft auf dem Throne. Rede, gehalten bei der kirchlichen Trauerfeier für Seine Königliche Majestät Maximilian II. von Bayern in der Studienkirche zu Bamberg am 13. April 1864. Bamberg 1864; - Petzet, Johannes H.; Gedächtnisspredigt über Psalm 4,9. Gehalten bei der Trauerfeier für Seine Majestät den König Max II. von Bayern am 21. März 1864 in Bonnland. Schweinfurt 1864; - Katzenberger, Martin; Ein Fürstenbild. Trauer-Rede auf den Hintritt Seiner Majestät Maximilian II., Königs von Bayern, gehalten in der Stadtpfarrkirche zu St. Martin in Bamberg am 31. März. Bamberg 1864; - Götz, Georg Joseph; Trauerrede bei dem ersten feierlichen Seelengottesdienste für weiland Seiner Majestät Maximilian II., König von Bayern im Dom zu Würzburg gehalten am 16. März 1864. Würzburg 1864; - Saffenreuter, Georg Joseph; Trauerrede auf den höchstseligen Hintritt Seiner Majestät des Königs Maximilian II. von Bayern. Würzburg 1864; - Die letzten Lebenstage und das Hinscheiden des höchstseligen Königs Maximilian II. von Bayern und der Nachruf seines treuen, schmerzbewegten Volkes. Ein Gedenkbüchlein für Jedermann. Passau 1864; - Maximilian der Zweite, König von Bayern. Sein Leben, Wirken und Tod; ein Denkmal für das bayerische Volk. Augsburg 1864; - Söltl, Johann M.; Max der Zweite, König von Bayern. Ein Bild des Unvergeßlichen. Augsburg 1865; - Dreyer, Alois; König Max II. von Bayern. In: Das Bayernland 23 (1911/12) 165-178; - Kohut, Adolph; König Maximilian II. von Bayern und der Philosoph F. W. J. von Schelling. Mit einem Bilde Maximilian II. und dreizehn bisher ungedruckten Briefen. Leipzig 1914; - Bibl, Viktor; Zur Frage der religiösen Haltung K. Maximilians II. Wien 1917; - Doeberl, Michael; Kulturpolitik König Maximilian II. In: ZBLG 1 (1928) 445-446; - Franz, Eugen; Wilhelm von Doenniges und König Maximilian II. und die deutsche Frage. In: ZBLG 2 (1929) 445-476; - Bastgen, Beda; Der Heilige Stuhl und Metternich über den Aufenthalt des bayrischen Kronprinzen an der Universität Göttingen. In: RQ 40 (1932) 182-186; - Franz, Eugen; König Maximilian II. und seine geheimen politischen Berater. In: ZBLG 5 (1932) 219-242; - Hornig, Antoine; Wilhelm Heinrich Riehl und König Max II. von Bayern. Diss. München 1938; - Laible, Helene; Wilhelm Doenniges und König Max II. von Bayern. Ein Versuch zur Lösung der deutschen Frage. Diss. München 1943; - Gollwitzer, Heinz; 100 Jahre Maximilianeum 1852-1952. Festschrift. München 1953; - Rall, Hans; König Max II. von Bayern und die katholische Kirche. Eine Vorstudie. In: HJ 74 (1955) 739-747; - Rall, Hans; Menschliche Selbstprüfung eines Königs. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Fürstenerziehung und zum Lebensbild König Max II. von Bayern. In: Adolf W. 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Verein zur Pflege Bayerischen Heimat- und Staatsbewußtseins. 1997, VI, 1-3; - Sing, Achim; Maximilian II. und die Märzrevolution. 1848 stieg in Bayern ein neuer König auf den Thron. In: Der Staatsbürger. Informations- und Presseamt, Bayerische Staatsregierung. München 1998 III, 1-6; - Glaser, Hubert; Ein Bildungserlebnis des Kronprinzen Maximilian. In: Monumental. Hrsg. von Susanne Böning-Weis. München. 1998, 741-754; - ADB XXI, 39-53; - Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte II, 1843-1844; - Kosch, Staatshandbuch II, 828; - Kosch KD 2852; - LThK2 VII, 204; - NDB XVI, 490-495; - DBE VI, 678.
Walter Troxler
Literaturergänzung:
2009
"Dem Geist alle Tore öffnen". König M. II. von Bayern u.d. Wissenschaft. Hrsg. von Ulrike Leutheusser und Heinrich Nöth. München 2009.