MENGE, Hermann, prot. Altphilologe, Gymnasiallehrer und Bibelübersetzer, * 7.2. 1841 in Seesen/Harz, + 9.1. 1939 in Goslar. - Nach dem Besuch der Seesener Bürger- und (ab 1851) Jacobsonschule wechselt M., sechstes Kind eines Justizbeamten, 1856 auf das Braunschweiger Gymnasium, wo er nach anfänglich mäßigen Leistungen zu Michaelis 1860 mit Auszeichnung das Abitur ablegt. Im gleichen Jahr beginnt er das Studium klassischer Philologie und Geschichte in Göttingen. Bereits 1863 zum Dr. phil. promoviert besteht M. 1864 das Staatsexamen in Braunschweig und übernimmt auf Drängen seines Förderers, des Loccumer Abtes und Kultusministers Hille, das Lehramt zunächst am Helmstedter Gymnasium, ab Ostern 1866 dann in Holzminden. Am 8.10. 1867 heiratete M. in Solmbach Marie Hoffmeister (+ 4.1. 1929); aus dieser Ehe entstammen fünf Kinder. 1876 wird M. als Primarius an das Sangerhausener Gymnasium in preußische Dienste berufen und bald zum Professor befördert. Zuerst vertretungshalber (1885-1887), dann auf behördliche Anweisung bekleidet M. von Ostern 1887 an das Direktorat des Sangerhausener Gymnasiums. Nach der Umwandlung des Instituts in eine Realschule wechselt M. 1894 als Schulleiter an das Wittstocker Gymnasium. Gesundheitlich angegriffen wird M. zu Ostern 1900 in den Ruhestand versetzt. Über Braunschweig und Harzburg (1901) übersiedelt M. 1902 zuletzt nach Goslar. M. begann nun die Lektüre des ntl.-griech. Urtextes und strebte nach einer angemessenen, sowohl modernen als auch philologisch exakten, den verschiedenen biblischen Sprachstilen gerecht werdenden Übersetzungen, dabei seine »Tätigkeit unter einem Zwange von obenher wie einst Jeremia Kap. 20,7-9)« (H. M. bei Olbricht [s.u.], 108) begreifend. Bis 1929 erlebte M.s Bibelübersetzung einen Absatz von 100.000 Exemplaren; M.s Leistung würdigte die Ev.-theologische Fakultät Münster durch die Verleihung des Ehrendoktorats (20.12. 1928). - M.s Repetitorien (s.d.) gehen auf seine Helmstedter und Holzmindener Unterrichtsausarbeitungen zurück und wurden über Jahrzehnte zum gymnasialen Standardwerk und sind erst anfangs des 20. Jahrhunderts infolge der didaktischen Neuerungen der von Kaiser Wilhelm II. (s.d.) einberufenen und von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (s.d.) forcierten Schulkonferenz überholt worden.
Werke:
Die Oden u. Epoden des Horaz f. Freunde klass. Bildung bes. f. die Primaner unserer Gymnasien bearb., Sangerhausen 1892. 2. verb. u. verm. Aufl., Berlin 1900; Griech.-dt. Schulwb. mit bes. Berücksichtigung der Etymologie, Berlin 1906; NT, Braunschweig 1909; Materialien z. Erlernung u. Wiederholung der griech. Syntax. F. Schule u. Selbstunterricht zusammengest. 3. Aufl., durchges. u. überarb. v. E. Krause, Wolfenbüttel 1913, 1914
6 (Nachdr. Darmstadt 1963); Repetitorium der griech. Syntax f. die philolog. Staatsprüfung u. namentl. z. Selbststudium bearb. 7. verb. Aufl. v. Wilhelm Schonack, Wolfenbüttel 1914; Repetitorium der lat. Syntax u. Stilistik. Ein Lernbuch f. Studierende u. vorgeschrittene Schüler, zugl. ein prakt. Repetitorium f. Lehrer. 10. durchweg verb. Aufl., Wolfenbüttel 1914. Repetitorium der lat. Syntax u. Stilistik. 11. Aufl., bearb. v. Andreas Thierfelder, München (Wolfenbüttel) 1953 (= Nachdr. Darmstadt 1960
13, 1990
19; Repetitorium der griech. Syntax. 8. Aufl., besorgt v. Andreas Thierfelder, München 1961. Repetitorium der griech. Syntax. Im Zusammenwirken mit Ute Gebhardt besorgt v. Andreas Thierfelder, München 1961
9 (= Nachdr. Darmstadt 1978); Wir fürchten nicht den Tod. Ein Wort des Trostes f. alle, insbes.f. die Hinterbliebenen der im Felde Gefallenen, Leipzig 1915; HS des Alten u. NTs, Stuttgart 1926, 1949
11 (= 1963); Taschenwb. der griech. u. dt. Sprache. Methode Toussaint-Langenscheidt, Berlin 1927, 1955 u.ö.; Taschenwb. der lat. u. dt. Sprache. Methode Toussaint-Langenscheidt, Berlin 1927. Neuaufl. 1935-1937, 1949 u.ö.; H. H. M./Otto Güthling, Griech.-dt. u. dt.-griech. Wb. Methode Toussaint-Langenscheidt. Hand- u. Schulausg., Berlin 1927; Wie ich z. Übers. der HS gekommen bin (Bibelbl. Ein Gruß der Württembergischen Bibelanstalt an ihre Freunde 53), Stuttgart 1927, 1932, 1951 (= Olbricht [s.u.], 98-109); Lat. Synonymik. Durchges. u. erw. v. Otto Schönberger, Heidelberg 1959
5; H. M./Otto Güthling, Enzyklopäd. Wb. der lat. u. dt. Sprache, 2 Tle., Berlin-Schöneberg 1950-1951.
Lit.:
Wolfgang Stammler, Sprachl. Beobachtungen an der Luther-Bibel des XVII. Jh.s: ZKG 3. F. 1 [50] (1931), 378-392; - Paul Olbricht, Der Bibelübersetzer H.M. Sein Leben u. seine Schrr. dargest., Berlin 1939; - F. Flaskamp, Funde u. Forsch. z. westfälischen Gesch. I, Münster 1955, 115-119; - F. Schmidt-König, H.M.: v. Gymnasialdirektor z. Bibelübersetzer, 1983; - Kurt Weber, Bibelüberss. unter der Lupe. Ein Wegweiser f. Bibelleser, Asslar 19873, 108-112 (u.ö.); - Berthold Lannert, Die Bibelübers. H.M.s zw. Philol. u. Theol. Ein Btr. aus Anlaß des 50. Todestages H.M.s am 9. Januar 1989: ZThK 86 (1989), 371-388; - LThK VII, 272.
Klaus-Gunther Wesseling
Letzte Änderung: 09.04.2011