Verlag Traugott Bautz |
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SCALABRINI, Giovanni Battista, Bischof, * 8. Juli 1839 in Fino Mornasco (Diözese Como), † 1. Juni 1905 in Piacenza, Grabstätte in der Kathedrale von Piacenza. - Der dritte der acht Söhne des Weinhändlers Luigi Scalabrini und dessen Frau Colomba Trombetta erhielt in Como seine Schul- und Seminarausbildung. Am 30. Mai 1863 empfing er die Priesterweihe. Anschließend war er zunächst als Präfekt und Professor für Geschichte und Griechisch, ab 1868 als Rektor im Kleinseminar S. Abondio in Como tätig. 1870 wurde S. Pfarrer von San Bartolomeo in Como. Am 28. Januar 1876 ernannte ihn Papst Pius IX. zum Bischof von Piacenza, am 30. Januar wurde er zum Bischof geweiht, am 13. Februar hielt er seinen feierlichen Einzug in der Diözese. - Aus der Tätigkeit S.s als Diözesanbischof sind seine regelmäßigen Pastoralvisiten, in deren Verlauf er unter teilweise schwierigsten Umständen alle Pfarreien seines Bistums fünfmal besuchte, hervorzuheben. In zahlreichen Hirtenbriefen und auf mehreren Diözesansynoden befaßte er sich mit den drängenden sozialen Problemen in seiner Diözese. Daneben galt seine besondere Aufmerksamkeit der Katechese. Über seine Zeit hinaus weist das Lebenswerk S.s aber vor allem wegen seiner Beschäftigung mit dem Migrantenproblem, insbesondere mit den neuen sozialen, moralischen und religiösen Fragen, die die Auswanderung Zehntausender von Italienern nach Amerika in diesen Jahren mit sich brachte. Im Jahre 1887 gründete S. die Congregazione dei Missionari per gli emigrati italiani (Scalabriniani), deren ursprüngliche Aufgabe die Betreuung und Begleitung der italienischen Auswanderer nach Übersee und die Gründung und Leitung italienischer Pfarreien in den Städten, in den sie sich dort niederließen, war. Im Jahre 1888 brach eine erste Gruppe von Missionaren in die USA und nach Brasilien auf. 1895 rief S. auch eine weibliche Abteilung der Kongregation ins Leben, die Congregazione delle Suore Missionarie di S. Carlo Borromeo per gli emigrati (Scalabriniane). 1901 reiste S. selbst nach Nord-Amerika, unmittelbar nach seiner Rückkehr berichtete er Papst Leo XIII. von den Erfahrungen, die er dort bei den ausgewanderten Landsleuten gewonnen hatte, 1904 folgte eine Reise in mehrere südamerikanische Länder. - S. hat ein umfangreiches Schrifttum zu den sozialen Problemen und den theologischen Fragen des ausgehenden 19. Jahrhunderts und insbesondere zur Pastoral an den Ausgewanderten hinterlassen. Wichtig für die Entwicklung des theologischen Programmes S.s. ist die Freundschaft mit Geremia Bonomelli (1831-1914, seit 1871 Bischof von Cremona), mit dem S. von 1868 bis zu seinem Tod in enger Verbindung stand. - Der Tätigkeitsbereich der von S. gegründeten, aber erst nach seinem Tod formell bestätigten (1908 päpstlich approbiert, Konstitutionen von 1948) Kongregation hat sich im Laufe der Zeit immer wieder um die jeweils wichtigsten Migrationsländer der Italiener erweitert. Die ersten in Deutschland tätigen Scalabrinianer waren Arbeiterpriester, die während des Zweiten Weltkrieges seit 1941 im Deutschen Reich eingesetzte italienische Arbeiter betreuten. Die erste formell errichtete Mission der Scalabrinianer in Deutschland entstand 1956 in Essen. - Die Regierungszeit S.s als Bischof von Piacenza war in ihren ersten Jahren noch stark von den Schwierigkeiten des Aufbaus des italienischen Nationalstaates geprägt. Durch die Schwerpunktsetzung auf die soziale Frage hat es S. aber verstanden, über die zeitgebundenen Probleme hinausblickend und unabhängig von den sehr unterschiedlichen kirchenpolitischen Strömungen der Pontifikate der Päpste Pius IX., Leo XIII. und Pius X. seinem Bistum und der Weltkirche Perspektiven zu öffnen, deren entscheidende Bedeutung erst in der Pastoral der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allgemein anerkannt wurde. Der Prozeß der Seligsprechung S.s ist seit 1936 eingeleitet.
Lit.: Silvano Guglielmi, Ein neuer Exodus. Giovanni Battista Scalabrini. Apostel der Migranten 1839-1905, Basel o.J.; - Angelo Scalabrini, Mons. Giovanni Battista Scalabrini Vescovo di Piacenza. Trent'anni di Apostolato. Memorie e documenti, Roma 1909; - Lorenzo Sterlocchi, Cenni biografici di Monsignor Giovanni Battista Scalabrini Vescovo di Piacenza, Como 1912, 21913; - Eduardo Soderini, Il pontificato di Leone XIII, 3 Bände, Milano 1932-1933; - Francesco Gregori, La vita e l'opera di un grande vescovo: mons. Giov. Battista Scalabrini (1839-1905), Torino 1934; - Luigi Cornaggia Medici, Antesignani della Conciliazione, Fidenza 1936; - Icilio Felici, G.B. Scalabrini, Vescovo insigne, Padre degli Emigrati, Monza 1954, auch in englischer (Ders., Father to the Immigrants. The Servant of God John Baptist Scalabrini Bishop of Piacenza, New York 1955) und in deutscher (Ders., Der Vater der Auswanderer. Giovanni Battista Scalabrini, Trento 1984) Übersetzung erschienen; - Marco Caliaro-Mario Francesconi, L'Apostolo degli Emigranti, Giovanni Battista Scalabrini, vescovo di Piacenza. La sua opera e la sua spiritualità, Milano 1968; - Direzione Generale dei Missionari Scalabriniani, Per una pastorale dei migranti. Contribuiti in occasione del 75° della morte di mons. G. B. Scalabrini, Roma 1980; - Carlo Marcora (Hrsg.), Carteggio Scalabrini - Bonomelli (1868-1905), Roma 1983; - Michael Albus, Scalabrini. Gott geht alle Wege mit, Düsseldorf 1985, (= Reihe: Lebens-Wege, 4); - Congregatio Pro Causis Sanctorum (P.N. 312), Placentina canonizationis servi Dei Ioannis Baptistae Scalabrini. Episcopi Placentini fundatoris missionariorum et missionariarum A.S. Carolo pro emigratis (8.7.1839-1.6.1905). Informatio super virtutibus, Roma 1985; - Mario Francesconi, Giovanni Battista Scalabrini. Vescovo di Piacenza e degli emigrati, Roma 1985; - Giampiero Landi, Un vescovo e la legge sull'emigrazione, Milano 1986; - Giovanni Saraggi, Giovanni Battista Scalabrini. Vescovo insigne e padre degli emigrati, Cinisello Balsamo 1986; - Lice Maria Signor, Joao Batista Scalabrini e a migracao italiana. Um projeto socio-pastoral, Porto Alegre 1986; - Congregazioni Scalabriniane, Missionari e Missionarie di San Carlo, Scalabrini. Una voce viva. Pagine scelte dagli scritti, o.O. 1987; - Mario Francesconi, Giovanni Battista Scalabrini. Spiritualità d'incarnazione, Roma 1989, (= Collana interdisciplinare, 1); - Gianfausto Rosoli, Scalabrini tra vecchio e nuovo mondo. Atti del Convegno Storico Internazionale (Piacenza, 3-5 dicembre 1987). A cura di Gianfausto Rosoli. Introduzione di Gabriele De Rosa, Roma 1989; - Dizionario ecclesiastico, Turin 1958, III, 733 f.; - Dizionario Enciclopedico Italiano, Roma 1970, X, 885; - Enciclopedia Europea, Milano 1988, IX, 224; - Enciclopedia Italiana, Roma 1949, XXX, 998; - Lessico universale Italiano di lingua, lettere, arti, scienze e tecnica, Roma 1978, XX, 181 ; - LThk II, 612 f.; - LThk IX, 356 f.; - Piccolo dizionario di contemporanei italiani, Roma 1895, 811 f.
Bernhard M. Hoppe
Textanmerkungen:
wurde am 11.11.1997 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
Literaturergänzung:
Rosmarie Zell, Bischof G.B.S. [2. Aufl.] Binningen 2006.
Letzte Änderung: 09.04.2011