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Band XXXI (2010) Spalten 1395-1397 Autor: Gregor Heidbrink und Jürgen von Ungern-Sternberg

UNGERN-STERNBERG, Freiherr Rolf Walter Arthur von, Pfarrer und theologischer Schriftsteller, * 21.7. 1911 in Sernaten (bzw. alter russischer Stil: 8.7.1911), † 10.2. 1992 in Planegg bei München. - U. aus einer angesehenen deutschbaltischen Familie schlug den für den Adel damals noch ungewöhnlichen Weg in das geistliche Amt ein. Sein Vater war der Schriftsteller und Jagd- und Tiermaler Walther v.U. U. besuchte seit 1924 das Humanistische Wilhelmsgymnasium in Königsberg, bevor er ebenda im Jahr 1930 sein Theologiestudium aufnahm. Im Herbst 1931 wechselte er für zwei Semester nach Riga, wo er auch - nach weiteren drei Semestern wieder in Königsberg - an dem von der dialektischen Theologie geprägten deutschbaltischen Herder-Institut sein Studium im Herbst 1934 abschloß. Unter seinen akademischen Lehrern hat er rückblickend besonders Hans-Joachim Iwand (s.d.), ferner Julius Schniewind (s.d.), Carl Schneider (s.d.) und Rudolf Abramowski hervorgehoben. Von 1934-1936 war er als ‚Kandidat der Theologie' in der Luther-Gemeinde in Riga-Thorensberg tätig. Zwischen 1936-39 diente er als Vikar und Hilfsprediger in Riga-Hagensberg. Unmittelbar vor der Umsiedlung wurde er in Riga am 17.10. 1939 von Bischof D. Peter Harald Poelchau (s.d.) ordiniert. Am 28.6. 1939 erfolgte die Eheschließung mit Gerda von Hollander in Assern bei Riga. Es folgte ein erneutes Vikariat in Schneidemühl. 1940-1945 war er Pastor an St. Trinitatis in Lodz (damals: Litzmannstadt). Nach Kriegsende und Flucht setzte er seinen Dienst in Bayern fort: von Juni 1945 an bis 30. April 1946 als stellv. Pfarrer in Goldkronach, dann bis 30. April 1947 in Illschwang bei Sulzbach in der Oberpfalz, von 1947-51 als Pfarrer in Kulmbach und von 1951-1968 als Pfarrer an der Erlöser-Kirche in München; zuletzt bis 1976 als apl. Referent im Landeskirchenrat. U. war Mitglied in der Prüfungskommission der Bayerischen Landeskirche für das Fach AT und im Theologischen Konvent der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium". - U.s theologisches Werk ist von der Motivation getragen, Ergebnisse der wissenschaftlichen Exegese des Alten Testaments für die Gemeindepraxis aufzubereiten. Auf Anregung seines theologischen Freundes Hellmuth Frey (s.d.) übernahm U. die Auslegung mehrerer Prophetenbücher in der Reihe "Botschaft des Alten Testaments". Mit ihm teilte er die Überzeugung, daß eine analog zum Chalkedonense gedachte Schriftlehre sowohl die Berücksichtigung der historischen Forschung als auch der Inspiration der Bibel und des heilsgeschichtlichen Handelns Gottes ermögliche. Damit geriet U. in den Konflikt zwischen einer sich immer weiter liberalisierenden historisch-kritisch arbeitenden Universitätstheologie und einem die Irrtumslosigkeit der Schrift betonenden Fundamentalismus. Beide Haltungen lehnte U. von seiner konservativen geistlichen Beheimatung her ab. Gerade seitens der evangelikalen Theologie wurde U. für seine Aufnahme literarkritischer Beobachtungen kritisiert, die ihn etwa zu der behutsam vorgetragenen Kritik an der Historizität des Jonabuches geführt hatte. Seine Auslegung der Samuelis-Bücher fand daher nicht wie geplant Aufnahme in die Reihe "Wuppertaler Studienbibel". Ein besonders feinsinniges Werk sind U.s in "Redeweisen der Bibel" zusammengetragenen biblisch-theologischen Begriffsstudien, die nach einer Einfühlung in das alttestamentliche Motiv traditionsgeschichtliche Entwicklungslinien vom Alten auf das Neue Testament hin ausziehen.

Werke: Der Rechtsstreit Gottes mit seiner Gemeinde. Der Prophet Micha, Stuttgart 1958, 21971, 31979; mit Helmut Lamparter: Der Tag des Gerichts Gottes. Die Propheten Habakuk, Zephanja, Jona, Nahum, Stuttgart 1960, 21975; Redeweisen der Bibel. Untersuchungen zu einzelnen Redewendungen des Alten Testaments (Heft 54 der Schriftenreihe "Biblische Studien"), Neukirchen 1968; Das erste Buch Samuel, Wuppertal 1978; Das zweite Buch Samuel, Bamberg 1981 (Selbstverlag); mehrere Aufsätze, vornehmlich zu alttestamentlichen Themen, in ‚Pastoraltheologie' und ‚Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern'.

Autobiographie: Bilder aus meinem Leben, 1981/82 (Manuskript; Teildrucke in: Jahrbuch des baltischen Deutschtums 39, 1992, 151-162; 41, 1994, 78-88).

Lit.: Wilhelm Neander, Lexikon deutschbaltischer Theologen seit 1920, Hannover 1967.

Gregor Heidbrink und Jürgen von Ungern-Sternberg

Letzte Änderung: 28.12.2009