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Band XXXII (2011) Spalten 1484-1486 Autor: Heinz-Dieter Neef

WEISER, Artur, Theologe, * 18. November 1893 in Karlsruhe, gestorben 5. August 1978 in Tübingen. - W. wirkte als Pfarrer im Dienst der Badischen Landeskirche und wurde 1922 als Schüler von Georg Beer zum Privatdozenten für Altes Testament an der Universität Heidelberg ernannt. 1930 wurde er als Ordinarius an die Universität Tübingen berufen. In den schwierigen Jahren 1933-1945 wirkte er, vom Vertrauen seiner Fakultät und der württembergischen Landeskirche getragen, als Dekan der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Mit einer kurzen Unterbrechung lehrte er bis 1962 als Ordinarius für Altes Testament an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen. - In seinen früheren Jahren stand die Beschäftigung mit den Propheten im Vordergrund. Er betonte die Eigenständigkeit jedes Propheten und Prophetenbuches. Für ihn waren die Propheten eher Männer des Wortes als der Tat. Diese Sicht entwickelte er anhand der Propheten Amos (1929), Jeremia (1951) und den Zwölf Kleinen Propheten (1949). - Neben der Beschäftigung mit der Prophetie stand diejenige mit den Psalmen im Vordergrund der Arbeiten Weisers. In Weiterführung der Arbeiten von P. Volz und S. Mowinckel trieb er stark die traditions- und kultgeschichtliche Erforschung der Psalmen voran. Der Kult war für ihn die Grundlage der Psalmen. Die Mehrheit der Psalmen zeige einen kultischen Hintergrund und entstamme den Festen des Zwölfstämmebundes. Weiser versteht diese Feste als Begegnung Gottes (actio dei) mit seinem Volk (reactio hominum) mit dem Ziel der Vergegenwärtigung der Sinai-Theophanie. Als Elemente dieser Begegnung nahm er an: Rekapitulation der Heilsgeschichte, Deklaration des Willens Gottes, Erneuerung des Bundes, Ablehnung der fremden Götter, Gericht über Israel und die Völker. - Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeiten Weisers bildeten die Fragen zum Verhältnis von Glaube und Geschichte. Er betonte den starken Einfluss der Geschichte auf die Gestalt des Glaubens. Hauptkennzeichen der biblischen Glaubensvorstellung sei das Vertrauen in Gottes Führung sowie in seinen Bund und sein Gesetz. Methodisch könne dieser Glauben nur mit Hilfe der historisch-kritischen Erforschung des Bibel erkannt werden. Diese Arbeit war nach Weiser nur in enger Verbindung mit der Kirche als dem Ort des Glaubens möglich. - In seinen späteren Jahren wandte er sich verstärkt der Erforschung der Frühgeschichte Israels zu. So schrieb er Samuel einen wesentlichen Anteil an der Entstehung des israelitischen Königtums zu. Es sei Samuels Lebenswerk gewesen, das israelitische Königtum in die altüberlieferte Jahwetradition einzuordnen. Samuel stehe als Repräsentant der überkommenen Jahweverehrung mitten in der Wende zweier Geschichtsepochen. Samuel sei die lebendige Brücke zwischen der vorstaatlichen Stämmeamphiktyonie und dem Königtum. Sein Weg bezeichne den Übergang von der Richterzeit zum Königtum in Israel. Er stehe zugleich am Anfang der Geschichte des alttestamentlichen Prophetismus, der wie Samuel das Königtum kritisch begleitet habe. Eine seiner letzten Arbeiten bezog sich auf das Deboralied. Nach ihm ist es aus verschiedenen Gattungen zusammengestellt und wechselt oft die Themen. Dies lasse auf eine mehrstimmige liturgische Komposition schließen. Weiser sieht in dem Deboralied eine liturgische Komposition für die Jahwekultfeier, zu der sich die Stämme mit ihren Vertretern zusammengefunden hätten. Der Inhalt der Feier sei die kultdramatische Darstellung der Niederlage des Feindes und der erneute Zusammenschluss des sakralen Stämmebundes.

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Werke: Die Bedeutung des Alten Testaments für den Religionsunterricht (1925); Religion und Sittlichkeit der Genesis in ihrem Verhältnis zur alttestamentlichen Religionsgeschichte (1928); Die Profetie des Amos (1929); Glaube und Geschichte im Alten Testament (1931); Die Psalmen (1935); Die theologische Aufgabe der alttestamentlichen Wissenschaft (1935); Einleitung in das Alte Testament (1939); Das Buch der zwölf kleinen Propheten 1 (1949); Klagelieder (1949); Das Buch Hiob (1951); Das Buch des Propheten Jeremia (1951); Glaube und Geschichte im Alten Testament und andere ausgewählte Schriften (1961); Samuel (1962).

Lit.: E. Würthwein und O. Kaiser (Hg.), Tradition und Situation: Studien zur alttestamentlichen Prophetie. A. Weiser zum 70. Geburtstag am 18.11.1963 (1963); H.-D. Neef, Art. Weiser, Artur (1893-1978), in: John H. Hayes, General Editor, Dictionary of Biblical Interpretation K - Z (1999, 626f.).

Heinz-Dieter Neef

Letzte Änderung: 09.04.2011